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LAG Bayern Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen Bayern e.V. verfasst Positionspapier zu Schulischer Inklusion

Positionspapier "Inklusive Schule Bayern"

Die bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben - Gemeinsam 
Lernen e.V. hat ein Positionspapier zu Schulischer Inklusion in Bayern 
verfasst und alle Spitzenkandidat*innen aller Parteien im bayerischen 
Wahlkampf um Stellungnahmen gebeten.

 

Hier finden Sie unser Positionspapier in langer und kurzer Form:

 

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Positionspapier Inklusive Schule Bayern
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Kurzform Positionspapier Inklusive Schule Bayern
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Stellungnahmen einzelner Parteien

Lesen und vergleichen Sie hier die einzelnen Stellungnahmen:

(in alphabetischer Reihenfolge)

 

 


AfD

Auszug aus der Antwort-Email:

Zu Ihrem Thema ist AfD-Position lt. Landtagswahlprogramm:

6.2.3. IDEOLOGISCH MOTIVIERTE INKLUSION BEENDEN

An Bayerns Schulen herrschen durch eine ideologisch motivierte und betriebene Inklusion zum Teil unhaltbare Zustände: So werden durch eine sinnfreie Integration von verhaltensauffälligen bzw. minderbegabten Schülern in ungeeignete Schulformen die Vermittlung des Lernstoffs und die Förderung der regulär in diesen Klasen sitzenden Kinder vereitelt. Die bisherige gezielte Förderung in speziellen Schulen war dagegen eine Erfolgsgeschichte. Die bayerische AfD möchte deshalb die Förderschulen als vierten Pfeiler des bewährt mehrgliedrigen bayerischen Schulsystems stärken und wo nötig ausbauen. An erster Stelle sollte immer das Wohl aller Schüler und auch der Lehrer stehen. Aus diesem Grund unterstützt die bayerische AfD auch die gezielte Förderung hochbegabter Kinder, die in Regelschulen häufig unterfordert sind und deshalb oftmals verhaltensauffällig werden. Auch diese Kinder haben das Recht, angemessen gefördert zu werden. Statt einer Nivellierung fordern wir daher eine spezifische Förderung von Hoch- und Minderbegabten.

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Bündnis 90/Die Grünen

Antworten von Bündnis 90 / Die Grünen Bayern auf den Wahlprüfstein von Landesarbeitsgemeinschaft Bayern Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen e.V. anlässlich der Landtagswahl 2018

Nach der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde im Bayerischen Landtag eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zur Inklusion an Schulen gebildet. Leider hat die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren an Fahrt verloren.

Für uns Grüne aktuell das Wichtigste: die Förderfähigkeit der Regelschulen zu verbessern. Nur so können wir die Chancen von Kindern mit Lernhandicaps verbessern, wohnortnah auf eine Regelschule zu gehen.

Allerdings erleben viele Lehrkräfte, dass die Voraussetzungen für eine gelungene Umsetzung an den Schulen mangelhaft sind. Die Lehrkräfte dürfen sich mit der Aufgabe nicht allein gelassen fühlen. Deshalb brauchen wir in Bayern nach der Landtagswahl mehr Tempo beim Thema Inklusion. Inklusion kann nur erfolgreich gestaltet werden, wenn die Qualität stimmt. In erster Linie müssen die Lehrkräfte bei ihrer Aufgabe gut unterstützt werden – mehr Mittel, mehr Personal, mehr Zeit. Inklusion stellt viele neue Anforderungen an Schule. Hier muss man an vielen Ebenen ansetzen – personell, räumlich, in der Ausstattung - um allen Schülerinnen und Schüler bestmögliche Lernbedingungen zu bieten.

Wir setzen uns für eine Verdoppelung der sonderpädagogischen Lehrkräfte an Regelschulen für a) eine zügige Aufstockung der Stellen für Sonderpädagogik an Regelschulen, b) mehr Stunden für die Lehrkräfte an der Regelschule, um kleinere Klassen zu bilden, für eine gezielte individuelle Förderung und für die Zusammenarbeit mit den SonderpädagogInnen im Kollegium und c) eine wesentlich bessere Ausstattung des mobilen sonderpädagogischen Dienstes.

Wir wollen die baulichen Voraussetzungen für einen gemeinsamen, inklusiven, Schulbetrieb schaffen. So soll den Kommunen Mittel für Schulbau, Schulumbau und Schüler- und Schülerinnenbeförderung zugewiesen werden, um die Aufgaben der Inklusion, die schon länger vorhanden sind (z.B. barrierefreies Bauen) und diejenigen die neu entstehen (z.B. SchülerInnenbeförderung) für den Besuch an der Regelschule schultern zu können.

Wir wollen das Thema Schulbegleitung voranbringen. In den vergangenen Jahren hat sich die Schulbegleitung bundesweit als wichtige Leistung etabliert. Aber viele Fragen sind beim System Schulbegleitung seit Unterzeichnung der UN-Konvention nicht geklärt. Es braucht grundsätzlich eine konzeptionelle Neuordnung der Schulbegleitung in Bayern. Etwa das Aufgabenprofil bzw. das Berufsbild betreffend, den Einsatz von Schulbegleiter*innen für die ganze Klasse oder Gruppe oder die Fragen nach der Qualifikation. Auch die finanzielle Beteiligung Bayerns ist seit Jahren ungeklärt. Wir wollen das Instrument so weiterentwickeln, dass Schulbegleitung als fester Teil eines multiprofessionellen Teams an der Schule verankert ist.

Nicht zuletzt ist eine bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Teilhabe und Inklusion.

Der zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler muss auch durch eine Veränderung der Unterrichtsorganisation Rechnung getragen werden. Wir wollen schrittweise eine zweite pädagogische Fachkraft in den Klassen etablieren. Das kann, muss aber keine Lehrer*in sein, sondern bei Bedarf auch eine Heil- oder Sozialpädagog*in, eine Psycholog*in oder eine medizinisch/therapeutische Fachkraft usw. sein. Dieses Pädagogen-Team kann die Passung zwischen den Lernbedürfnissen der Kinder und dem Lernstoff verbessern und begegnet der Individualisierung.

Lehrkraft und „Zweite“ fördern und verantworten gemeinsam die Lern- und Entwicklungsfortschritte aller Kinder und sind für alle ansprechbar. So kommen wichtige Kompetenzen zusammen. Die Lehrkräfteaus- und -fortbildung muss die Lehr- und Fachkräfte auf ihre neue Aufgabe – Arbeiten in multiprofessionellen Teams und Teamteaching – vorbereiten. Dazu gehört das gemeinsame Planen und Durchführen von Unterricht und Reflexion des Unterrichts, das Unterrichten in Arbeitsgruppen oder Kleingruppen von Kindern.

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CSU

Antworten der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU) auf die Anliegen der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bayern Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen e.V. 26. September 2018

Inklusion wird bereits erfolgreich an bayerischen Schulen gelebt! Die CSU setzt bei der Umsetzung der Inklusion ganz grundsätzlich auf Förderangebote, die jeweils auf die unter-schiedlichen Bedürfnisse unserer Kinder und Jugendlichen zugeschnitten sind!

Inklusiver Unterricht ist nach Art. 2 Abs. 2 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes Aufgabe aller Schulen in Bayern. Wir verfolgen dabei den Weg der Inklusion durch eine Vielfalt schulischer Angebote. Jedem betroffenen Kind eröffnet unser vielfältig differenziertes und durchlässiges Schulwesen einen passgenauen Weg für die individuelle Entwicklung. Unterstützung auf diesem Weg bietet die Sonderpädagogik mit ihrem vielfältigen An-gebot von der frühen Förderung im Vorschulalter bis hin zur beruflichen Ausbildung. In Bayern können Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf somit in einer Regelschule oder an einem Förderzentrum unterrichtet werden. Die Eltern entscheiden, welche Schule ihr Kind besucht. Die von den Eltern getroffene Entscheidung über den geeigneten Lernort ist dabei nicht für die gesamte Schullaufbahn bindend. Bei der Verwirklichung der Inklusion kommt den Förderschulen eine besondere Bedeutung zu. Zum einen entscheiden sich viele Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen ihres Wahlrechts ganz bewusst für die Betreuung und den Unterricht an Förderschulen. Zum anderen sind Förderschulen als Kompetenzzentren für die schrittweise Ausweitung der inklusiven Beschulung unverzichtbar und damit ein wichtiger Teil der Inklusion. Denn sie unterstützen die Regelschulen maßgeblich beim Aufbau der notwendigen Förderkompetenz für den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förder-bedarf. Förderschulen müssen auch in Zukunft gestärkt sowie für neue und veränderte Auf-gaben vorbereitet werden.

Wir werden auch weiterhin den bereits erfolgreich beschrittenen Weg gehen und das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne besonderen Förderbedarf voranbringen. Dazu bauen wir die Unterstützungsmaßnahmen für die Inklusion stetig aus:

 

Personelle Ausstattung

- Das Miteinander von jungen Menschen mit und ohne Förderbedarf wird von sonderpädagogisch geschulten Lehrkräften sowie von weiteren schulischen und ggf. außerschulischen Unterstützungskräften begleitet.

- Mit dem Bildungspaket für Bildung begeistern! Fördern, Fordern, Forschen“ (April 2017) und der „Bildungsoffensive plus“ (April 2018) stärken wir die Schulen nachhaltig. In den kommenden Jahren schaffen wir zusätzlich zu den 2.000 beschlossenen Stellen noch einmal 2.000 neue, also insgesamt 4.000 Stellen für Bayerns Schulen. Damit wollen wir u.a. die Förderschulen und die Inklusion stärken.

- Seit 2011 stellen wir pro Jahr 100 Lehrerstellen zur Verfügung. Zum neuen Schuljahr 2018/2019 stehen somit bereits 800 Stellen für die Inklusion zur Verfügung. Das Bildungspaket Bayern sieht zusätzlich zu den bisher 800 Inklusionsstellen weitere je 100 Stellen für die Inklusion in 2019 und 2020 vor – insgesamt somit 1.000 Stellen.

- Zusätzlich soll die Arbeit der Förderzentren durch die Zuweisung von 250 zusätzlichen Stellen weiter unterstützt werden (2018 bis 2020).

- Höherer Gewichtungsfaktor für Schüler, die inklusiv beschult werden: Durch Zusatzstunden, ein Zusatzbudget für Schulen mit dem Schulprofil Inklusion oder Lehrkräfte in Tandemklassen berücksichtigen wir schon heute Kinder mit speziellem Förderbedarf, die inklusiv unterrichtet werden. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt (siehe oben).

- Auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren erachten wir als wichtigen Aspekt in der Umsetzung der inklusiven Schule. Mit dem neuen Programm „Schule öffnet sich“, holen wir externe Fachkräfte in die Schulen. Schulsozialpädagogen und Schulpsychologen geben somit u.a. Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf weitere Unterstützung. Die Teams für die Schulsozialarbeit stärken wir mit 500 Fachkräften.

 

Aus- und Lehrerfortbildung

Inklusion ist ein Bestandteil der Ausbildung aller angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Den Lehrkräften steht ein breites Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu baut Bayern auch die Kapazitäten der bayerischen Universitäten zur Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik deutlich aus – um fünf Lehrstühle mit den entsprechenden Mitarbeiterstellen. 10 Stellen werden in 2018 für die Standorte Würzburg und München bereitgestellt. Zusätzlich wird der Standort Regensburg neu ab dem Jahr 2019 mit drei neuen Lehrstühlen eingerichtet. Damit stehen insgesamt 32,5 Stellen in den Jahren 2018 bis 2020 zur Verfügung.

 

Konzepte für inklusive Schulen

- 356 allgemeinbildende Schulen in Bayern haben 2018/19 das Profil Inklusion und legen damit im Schulalltag und Unterricht einen besonderen Schwerpunkt auf diesen Bereich. Sie kümmern sich besonders intensiv um das Miteinander von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Lehrkräfte der Sonderpädagogik sind in das Kollegium der Grundschule eingebunden und gestalten gemeinsam mit den Lehrkräften der Grundschule den Schulalltag.

- Im Partnerklassenkonzept kooperieren Klassen der Förderschule und der allgemeinen Schule im Unterricht und Schulleben.

- In den offenen Klassen der Förderschulen werden auch Kinder und Jugendliche ohne sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet.

- Rund 2.000 Förderschüler wurden im Schuljahr 2016/17 im Rahmen des Partnerklassenkonzepts und in offenen Klassen unterrichtet. Dazu kommen noch viele weitere Kooperationen und Projekte vor Ort, mit denen sich die Förderschulen öffnen.

- Auch die digitalen Medien werden im Rahmen der Inklusion an Bedeutung gewinnen. Sie können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es um Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen geht. Denn digitale Medien können Bildungsangebote an besondere visuelle, auditive und haptische Bedürfnisse - und damit an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen - anpassen. Diese Eigenschaft macht digitale Medien für den Lehr- und Lernprozess von Menschen mit körperlichen, geistigen oder Sinnes-Behinderungen besonders wertvoll.

 

Bayerischer Weg im Kontext der Studie

Aus unserer Sicht bildet die sogenannte Exklusionsquote in der Studie „Unterwegs zur inklusiven Schule“ der Bertelsmann-Stiftung (September 2018) die Inklusion an den Schulen im Freistaat Bayern nur unzureichend ab. Die Stiftung misst darüber den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine Förderschule besuchen, und setzt in ihrer Studie den Besuch einer Förderschule mit einem Ausschluss vom Grundschulunterricht und vom Besuch weiter-führender Schulen gleich. Zudem bezieht die Stiftung auch kranke Schülerinnen und Schüler in ihre Berechnungen der Exklusionsquote ein. In Bayern waren im Schuljahr 2016/17 2.663 Schülerinnen und Schüler in Klassen für Kranke. Besuchen Schülerinnen und Schüler während eines längeren Krankenhausaufenthaltes eine Schule für Kranke, werden sie aber nicht „exkludiert“, sondern bleiben in ihrer bislang besuchten Schule und erhalten schulische Förderung. Eine Zunahme der sonderpädagogischen Förderung von jungen Menschen zeigt, dass ihre Förderbedürfnisse wahrgenommen werden. Dafür erhalten die Schulen - im Hin-blick auf die zunehmende Heterogenität - Unterstützung.

Somit ist die Beurteilung der Inklusion in Bayern in dieser Weise unzutreffend und missachtet die Leistungen unserer gesamten Schulfamilie. Wir setzen in Bayern auf vielfältige Konzepte und Förderorte. Unsere Förderschulen als alternative Lernorte und Kompetenzzentren zur Unterstützung der allgemeinen Schulen sind eine äußerst wertvolle und wichtige Säule in unserem bayerischen Ansatz. An ihnen halten wir fest! Denn es ist wichtig, dass unsere Förderangebote jeweils auf die Bedürfnisse unserer Kinder und Jugendlichen zugeschnitten sind! Eine Förderschule kann dabei das bessere Angebot für manches Kind bereithalten. Gleichzeitig gehört Inklusion – das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonder-pädagogischem Förderbedarf – in Bayern an vielen Schulen zum Schulalltag!

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Die Linke

Stellungnahme zum Positionspapier „Inklusives Bildungssytem in Bayern umsetzen“

Dem Verständnis von Inklusion entsprechend muss der gesamte Bildungsbereich einen uneingeschränkten, gleichberechtigten Zugang für alle, unabhängig von sozialer Zugehörigkeit, Geschlecht, ökonomischen Hintergrund, ethnischer Herkunft, Sprache, Religion und Fähigkeiten sowie von individuellen Voraussetzungen gewährleisten. DIE LINKE geht von einem weiten Inklusionsbegriff aus, der nicht nur Menschen mit Behinderungen in den Blick nimmt, sondern sie wie alle anderen umfasst.

Inklusion in der Bildung muss also den individuellen Bedürfnissen aller entsprechen und umfasst somit alle Menschen, die an Bildungsprozessen teilnehmen. Das derzeitige gegliederte Schulsystem in Bayern steht einer konsequenten Inklusion entgegen. Kinder im Alter von zehn oder zwölf Jahren auf unterschiedliche Schulformen aufzuteilen, ist mit dem Konzept der Inklusion nicht vereinbar. Das gilt, trotz des großem Engagements und der hohen Sachkunde der dort tätigen Lehrkräfte und anderen pädagogischen Fachkräfte auch für das umfangreiche System der Förderschulen. Lehrkräfte und andere Fachkräfte an Förderschulen haben sich bisher mit großem Engagement um jene Schülerinnen und Schüler gekümmert, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem Regelschulsystem ausgegrenzt wurden. Ihr Sachverstand wird dringend im Regelschulsystem für die Umsetzung inklusiver Bildung benötigt. Darüber hinaus ist die Bereitschaft zu inklusiver Bildung in den verschiedenen Schulen und Schulformen unterschiedlich stark ausgeprägt. So konzentrieren sich die Aufgaben der Inklusion vor allem in den Grundschulen und den Schulformen neben dem Gymnasium. Das ist nicht hinzunehmen. Auch Gymnasien müssen sich der Herausforderung stellen Inklusion umzusetzen.

Inklusive Bildung erfordert nicht nur gut vorbereitete Lehrkräfte und andere pädagogische und therapeutische Fachkräfte, sondern teilweise auch andere Lehr- und Lernmittel, eine andere technische und räumliche Ausstattung der Schulen und des Schulumfeldes und natürlich auch Schulgebäude mit Arbeits- und Lernbedingungen, mit denen man die neuen Herausforderungen gut meistern kann. Daher erfordert es eine grundlegend neue Lehr- und Lernkultur, die alle Lernenden in ihrer Individualität respektiert und wertschätzt, die die Fähigkeiten jeder und jedes Einzelnen erkennt und fördert und zum bestmöglichen Lernerfolg führt.

Dazu bedarf es zusätzlicher Ressourcen, wie ausreichenden und barrierefreien Raum, die Ausstattung mit Lehr-, Lern- und Hilfsmitteln, mehr gut ausgebildetes Personal und pädagogische wie therapeutische Unterstützungssysteme. Die individuelle Förderung muss den Lernenden folgen, nicht umgekehrt. Das aufwändige Antragssystem muss entbürokratisiert und rechtlich zusammengeführt werden. Für Schule, Hort und außerschulische Bildungsangebote dürfen keine unterschiedlichen Standards und Rechtsansprüche gelten. Was für einen Lernort gewährt wurde, muss auch für die anderen in gleicher Weise zur Verfügung stehen. Eine sogenannte „kalte“ Inklusion ohne den entsprechenden baulichen, sächlichen, personellen Rahmen wird nur auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen und engagiertem Fachpersonal ausgetragen und führt zu weniger Akzeptanz, weniger Erfolg und zu größer werdender Ablehnung.

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FDP

Grundsätzliche Position der FDP Bayern zum Thema Inklusion (Auszug aus dem Landtagswahlprogramm):

Wir Freie Demokraten wollen das qualitativ hochwertige bayerische Förderschulsystem erhalten und darüber hinaus KiTas und allgemeinbildende Schulen unterstützen, die Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf unterrichten. Beide Wege sind wichtige Angebote für individuelles Lernen. Um beste Bildung zu gewährleisten und Inklusion zu leben, fordern wir einen besseren Personalschlüssel für inklusive KiTas, sowie Fach- und Zusatzlehrer sowohl in Förderschulen als auch in Regelschulen, die inklusiven Unterricht anbieten. Ziel muss es sein, in inklusiven Klassen zwei Fachkräfte in allen Fächern einzustellen, damit Schüler mit und ohne Förderbedarf gleichermaßen gefördert werden können.

 

Bessere personelle Ausstattung in Regelschulen

Wir Freie Demokraten wollen an allen Schulen eine 110-prozentige Lehrerversorgung. Zudem wollen wir mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen an den Schulen. In speziellen inklusiven Klassen an Regelschulen wollen wir zwei Fachkräfte in allen Fächern einsetzen.

 

Inklusion als gemeinsame Aufgabe aller Verantwortlichen

Die FDP setzt sich für gezielte, bedarfsorientierte Fortbildungen ein. Darüber hinaus sind Themen der Inklusion auch in geeigneter Form in die Basisausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer aufzunehmen.

 

Konzepte für inklusive Schulen

Wir Freie Demokraten treten für eigenverantwortliche Schulen ein. Die Schulen und Fachleute vor Ort wissen am besten, welche Konzepte in einer Schule gut funktionieren und welche nicht. Die FDP möchte an allen Schularten die Sozialpädagogenstellen ausbauen und ein eigenes Förderprogramm „Schulsozialarbeit“ in der Verantwortung des Kultusministeriums auflegen.

 

Inklusive Schulen unterrichten nicht Fächer, sondern Kinder

Für uns Freie Demokraten stehen klar die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Neigungen und Interessen, ihren Stärken und Schwächen im Mittelpunkt der Bildungspolitik. Neue Formen der Leistungserhebungen, die sich an der Förderung der Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler orientieren, sind zu begrüßen und sollten ausgebaut werden. Grundsätzlich sollte es aber weiterhin Leistungserhebungen geben. Auch Noten halten wir grundsätzlich für sinnvoll.

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Antwortschreiben_Martin_Hagen_Landesarbe
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Freie Wähler

Stellungnahme der FREIEN WÄHLER Bayern zum Positionspapier "Inklusives Bildungssystem in Bayern umsetzen" der LAG Bayern Gemeinsam leben - Gemeinsam Lernen e.V.

In einem inklusiven Schulsystem müssen alle Schüler, ob mit oder ohne Behinderung, die individuell passende Unterstützung erhalten, die sie zur optimalen Entwicklung ihrer Potenziale benötigen. Hierzu notwendig ist aus Sicht der FREIEN WÄHLER eine ausreichende Personalausstattung durch zusätzliche Stellen für Förderlehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal an den Schulen, sodass auch Zweitlehrkräfte im Unterricht eingesetzt werden können, sowie den Ausbau des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes, um eine professionelle und kontinuierliche Beratung und Begleitung von Klassen und einzelnen Kindern mit Förderbedarf zu ermöglichen. Gleichzeitig steht für uns fest, dass schulische Inklusion nicht nur von Sonderpädagogen geleistet werden kann, sondern alle Lehrkräfte betrifft und daher zu einem zentralen Thema aller Lehramtsausbildungsgänge werden muss. Zudem setzen wir uns seit Längerem für Pools an multiprofessionellen Fachkräften, darunter beispielsweise Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Psychologen oder Sprachtherapeuten, auf Landkreisebene ein, die von Schulen im Bedarfsfall abgerufen werden können. Neben der Sicherstellung ausreichender Personalkapazitäten ist aber auch ein grundlegendes Umdenken an unseren Schulen notwendig. So erfordert die zunehmende Heterogenität mehr Eigenverantwortung für die Schulen, mehr Entscheidungsfreiheit hinsichtlich passgenauer Lern- und Unterrichtsformen sowie die Entwicklung langfristiger, den Lern- und Entwicklungsweg begleitender Prüfungsformen. Nur unter diesen Voraussetzungen wird es möglich werden, die Vielfalt und Heterogenität der Schüler sowie deren unterschiedliche Förderbedarfe durch passgenaue Unterrichts- und Lernangebote zu begleiten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, unnötige bürokratische Hürden schnellstmöglich abzubauen. So gilt es, endlich eine schnelle und unbürokratische Zuweisung von Inklusionskindern an Regelschulen zu ermöglichen und das Antragsverfahren für Schulbegleitungen deutlich zu vereinfachen.

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SPD

 

Antworten der BayernSPD auf das Positionspapier „Inklusives Bildungssystem in Bayern  umsetzen“ der LAG Bayern Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen e.V. Lernen e.V. Lernen e.V. Lernen e.V. Lernen e.V. Lernen e.V. Lernen e.V. zur Landtagswahl am 14. Oktober 2018

 

Zu den 4 Positionspunkten die SPD-Standpunkte

 

Bessere personelle Ausstattung in Regelschulen:

Dieser Positionierung ist grundsätzlich zuzustimmen. Die SPD fordert, dass grundsätzlich keine Klasse über 25 Schüler*innen haben darf und die Klassen durch eine Mehrfachzählung immer dann verkleinert werden müssen, wenn Schüler*innen mit erhöhtem Förderbedarf dabei sind. Richtig ist auch, dass die Schulen vor Ort selbst entscheiden sollen, welchen Unterstützungsbedarf sie haben und welche unterstützende Professionen dafür am geeignetsten sind. Dazu wird ein schnell zugänglicher Unterstützerpool aus multiprofessionellen Teams in jedem Landkreis und in jeder Stadt bereitgestellt. Damit bekommen Kinder und Jugendliche an jeder Schule das, was sie auch tatsächlich brauchen, um ihren individuell größtmöglichen Lernerfolg zu erzielen. Das bedeutet: Das Lernumfeld, der Unterricht und auch die Assistenz für den einzelnen müssen überall darauf ausgerichtet sein, jeden nach seinen Fähigkeiten zu fördern. Das setzt ein ganzes Bündel an Maßnahmen voraus, die unsere Schulen verändern werden.

 

Inklusion von Kindern mit Förderbedarf ist gemeinsame Aufgabe aller Verantwortlichen im Schulbetrieb der allgemeinen Schulen:

So steht es auch im Art. 2 des BayEUG. Nur von der Umsetzung sind wir noch Meilen entfernt. Zu allererst muss sich die Haltung verändern: Ein „Du gehörst nicht an diese Schule“ verbietet sich. Schule muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass optimale, individuelle Förderung möglich ist. Dazu müssen sich die Pädagogik/Didaktik, die Personalausstattung und die Schulhäuser ändern. Die über einhunderttausend Lehrkräfte im System können nur durch gezielte Fortbildungsangebote an die Inklusion herangeführt werden. Auch hier gilt: Nicht für alle das Gleiche! Die Vorkenntnisse und Vorerfahrungen sind sehr unterschiedlich, v.a. auch die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Wichtig ist, dass die Fortbildungen schnell und möglichst vor Ort angeboten werden. Dazu müssen Referenten*innen ausgebildet und Fortbildungsbudgets in ausreichender Höhe geschaffen werden. Die Sonderpädagogik kann hier helfen, die Fortbildungen müssen aber breiter aufgestellt sein. An den Universitäten brauchen wir dringend Lehrstühle für Inklusion. Das ist mehr als für Sonderpädagogik. Nur so können alle Lehramtsstudierende ausreichenden Grundlagen für ihren späteren Dienst an inklusiven Schulen bekommen. 

 

Konzepte für inklusive Schulen sind da und werden bereits lange erfolgreich umgesetzt

In anderen Bundesländern und europäischen Ländern trifft das sicherlich zu. Bayern hat eine lange ausgeprägte Tradition im gegliederten Schulwesen. Dazu gehört auch, Kinder und Jugendliche mit besonderen Förderbedarfen hauptsächlich in Förderschulen zu stecken. Die einzige Schule für alle in Bayern, die Grundschule, stößt spätestens in den dritten und vierten Klassen aufgrund des großen Übertrittsdrucks an ihre inklusiven Grenzen. Deshalb müssen auch diese Barrieren abgebaut werden. Das gilt auch für den Zugang in weiterführende Schulen. Die SPD hat als einzige Fraktion im Bayerischen Landtag ein ausführliches pädagogisches Konzept für eine bayerische Gemeinschaftsschule mit Schulexperten aus ganz Deutschland erarbeitet. Es liegt fertig in der Schublade und kann am 15. Oktober an den Start gehen. Allein die CSU-Fraktion mit ihrer absoluten Mehrheit blockiert die von Eltern und Kommunen gewünschten Modellschulen.

 

Inklusive Schulen unterrichten nicht Fächer, sondern Kinder

Das wird zweifellos die größte Herausforderung werden. Derzeit müssen sich Lehramtsstudierende ab dem ersten Semester auf eine bestimmte Schulart und bestimmter Fächer festlegen. Das muss schnellstmöglich geändert werden. Junge Menschen nach dem Abitur müssen sich dafür entscheiden, Lehrer*in werden zu wollen. Im Laufe des Studiums, aufgeteilt in Bachelor und Master, legen die Studierenden dann ihre Schwerpunkte fest, und dies alles in fester Verzahnung mit der Schulpraxis. Nur so weiten wir den Blick der künftigen Lehrkräfte, zuerst das Kind und dann das Fach zu sehen. Dass dazu auch andere Lehr- und Lernmethoden gehören ist selbstredend. Das gilt auch für eine völlig andere Art der Leistungsmessung. Der Verzicht auf die Notenfixierung und das Einbeziehen der gesamten Persönlichkeit des Einzelnen sind Grundvoraussetzung, die Entwicklungsschritte adäquat beurteilen zu können. Mehr Projektarbeit ermöglicht exemplarisches Lernen und schafft die Möglichkeit, dass die Schüler*innen sich in für sie wichtige Themen intensiv einarbeiten können. All das ist Gegenstand des pädagogischen Konzepts der Gemeinschaftsschule, von der CSU als Einheitsbrei diffamiert.

Für die SPD ist bei alledem zudem wichtig: Reformen müssen durchdacht, mit den Beteiligten ausführlich diskutiert und auf ihre Tauglichkeit in der Praxis untersucht werden. Vorschnelle und übereilte Lösungen schaden dem existierenden Fachwissen und führen zur Demotivierung der Pädagogen*innen. Genau hier liegt der Anspruch der SPD nicht nur hinsichtlich der Inklusion, sondern bezogen auf Bildung generell – Präzision und Nachhaltigkeit. In der Vergangenheit scheiterten Schulreformen oft daran, dass keine realistische Finanzierung vorlag. Um das Konzept Inklusion und die geplanten Änderungen nachhaltig umsetzen zu können, muss eine stabile und realistische Finanzierung bereitgestellt und auch in Zukunft gesichert werden. Nur so können wir die Chance nutzen, alte Strukturen abzuschaffen und richtungsweisende neue aufzubauen.

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